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VDMA: Maschinenbau rechnet 2014 mit drei Prozent Wachstum

17.10.2013 | id:2394894

„Wir rechnen 2014 mit einem Wachstum in der Größenordnung von real drei Prozent.“ Diese erfreuliche Produktionsprognose für die Maschinenbauindustrie teilte der scheidende VDMA-Präsident Dr. Thomas Lindner auf der Pressekonferenz des Verbandes anlässlich der alle drei Jahre stattfindenden Mitgliederversammlung am Donnerstag in Stuttgart mit.

Lindners Amtszeit endet turnusgemäß nach drei Jahren. „Kurz gesagt lassen sich diese drei Jahre charakterisieren als erfolgreiche Aufholjagd. Für den Zeitraum 2010 bis 2012 errechnet sich für die reale Maschinenproduktion in Deutschland ein stattliches Plus in Höhe von 24 Prozent. Das muss selbstverständlich vor dem Hintergrund des Einbruchs im Jahr 2009 in Höhe von rund 25 Prozent gesehen werden. Doch das Wachstum ist beachtlich. Dass unsere Industrie so schnell so viel aufholen konnte, hat – ehrlich gesagt – niemand erwartet“, erklärte Lindner. Die VDMA-Volkswirte rechnen für 2013 mit einem Produktionswert von 195 Milliarden Euro. 2010 lag der Produktionswert bei 164 Milliarden, 2011 bei 189 Milliarden und 2012 ebenfalls bei 195 Milliarden Euro.

Maschinenbauer legen 2013 eine „Atempause“ ein

Die deutschen Maschinenbauer hätten den Aufholprozess gern im laufenden Jahr 2013 fortgesetzt und die verbleibende Lücke von knapp sieben Prozent zum Produktionsniveau des in vielerlei Hinsicht legendären Jahres 2008 geschlossen. „Doch – leider – mussten wir eine Atempause einlegen. Die Folgen der Finanzkrise sind noch nicht überwunden. Die internationale Nachfrage nach Investitionsgütern schwächelt“, berichtete der VDMA-Präsident.

Von Januar bis August dieses Jahres verfehlte die reale Produktion von Maschinen und Anlagen in Deutschland ihr Vorjahresniveau um 3,3 Prozent. Das Minus rührt vor allem aus dem schwachen ersten Quartal (minus sieben Prozent gegenüber Vorjahr). Seitdem werden die Minusraten tendenziell kleiner. Das konjunkturelle Umfeld hellt sich zunehmend auf. „Unsere im Juli veröffentlichte Prognose von minus ein Prozent für das laufende Jahr können wir daher heute bekräftigen“, so Lindner. Gegenwärtig beobachten die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer eine sich verfestigende, zyklisch bedingte Erholung. „In unseren beiden größten Exportmärkten, China und den USA, hat sich die Konjunktur wieder gefestigt. Auch im krisengeschüttelten Europa scheint die rezessive Phase weitgehend abgeschlossen zu sein, so dass wir hier ebenfalls mit expansiven Impulsen rechnen“, teilte Lindner mit.

Konjunktur in Deutschland könnte wieder Fahrt aufnehmen

Dank der anziehenden Exporte nicht nur des Maschinenbaus, sondern der deutschen Wirtschaft insgesamt, sollte die Konjunktur dann auch in Deutschland wieder Fahrt aufnehmen. Die Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten im kommenden Jahr einen Zuwachs der Ausrüstungsinvestitionen in der Größenordnung von vier bis sieben Prozent. „Auf den ersten Blick scheint das ambitioniert. Wenn wir aber bedenken, dass die Investitionen in neue Maschinen, Anlagen und sonstige Ausrüstungen in Deutschland seit anderthalb Jahren unter Vorjahresniveau liegen, sind solche Zuwachsraten gar nicht so abwegig. Ich betrachte sie zumindest als Benchmark unserer eigenen Maschinenbauprognose“, sagte Lindner.

Neuer Beschäftigungsrekord erreicht

In der Stammbelegschaft zählte die deutsche Maschinenbauindustrie im Juli 2013 insgesamt 984.000 festangestellte Beschäftigte. Dies ist ein Plus von 11.000 Mitarbeitern im Vorjahresvergleich. Damit wurde ein neuer Höchststand erreicht. „Wir werten den hohen Beschäftigtenstand als Signal dafür, dass sich die Maschinenbauer trotz Flaute für eine wieder anziehende Konjunktur wappnen“, betonte Lindner. Der Tiefstand der Beschäftigung der letzten drei Jahre (2010 bis 2012) lag im Mai 2010 bei 901.000 Beschäftigten.

Maschinenbauer vermissen politische Heimat und warnen vor Steuererhöhungen

VDMA-Präsident Lindner forderte vom neu gewählten Parlament verlässliche, stabile und unternehmensfreundliche Rahmenbedingungen. „Dies ist die Basis für Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand in Deutschland“, so Lindner. „Genauso, wie wir als Unternehmer bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Wir denken in Generationen und nicht bis zum nächsten Wahltag!“ Mehr langfristiges Denken, Handeln und eine generelle Verantwortung erwarte er auch von der Politik. „Im Kern fordern wir eine Steuerpolitik, die uns unternehmerischen Freiraum lässt, um investieren zu können. Eine Energiepolitik, die verlässlich und nachhaltig ist. Hier besteht dringender Handlungsbedarf – wir brauchen Investitionssicherheit! Und eine Arbeitsmarktpolitik, die es uns erlaubt, flexibel auf Schwankungen im Auftragseingang reagieren zu können“, erklärte der VDMA-Präsident. Es sei erschreckend, welche hohe Zahl von Politikern nur wenig über die Arbeit mittelständischer Unternehmen wüssten.

Maschinenbauer fordern Staatsbremse und gleichzeitig mehr investive Ausgaben

„Wir brauchen mehr denn je eine Staatsbremse als Ergänzung zur Schuldenbremse“, forderte Lindner. Ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch seine Präsidentschaft gezogen habe. Staatsbremse bedeute dabei aber nicht, blind auf die Ausgabenbremse zu treten. „Wir haben massiven Investitionsbedarf in die Infrastruktur – und hier sind sich zum Glück alle Parteien im Kern auch einig. Wir leben von unserer Substanz. Aber wir haben die Möglichkeiten, das Ruder rumzureißen. Im Vergleich zu manch anderen Ländern in Europa stehen wir immer noch gut da. Auch dank unserer intakten industriellen Basis und den intakten Innovationsnetzwerken und Wertschöpfungs-ketten“, betonte der scheidende VDMA-Präsident. Die Politik sollte zur Ankurbelung der Unternehmensinvestitionen nicht in einen kurzatmigen Aktionismus verfallen, sondern sich auf die nachhaltige Verbesserung der allgemeinen Investitions-bedingungen konzentrieren. „Kurz: Wir brauchen mehr investive und weniger konsumtive Ausgaben, wenn wir unsere Zukunftsfähigkeit erhalten wollen“, so Lindner. „Ich bin davon überzeugt, dass wir staatliche Ausgaben deutlich stärker an Nachhaltigkeitsgrundsätzen orientieren müssen. Die Brutto-Investitionen des Staates müssen mindestens zwei Prozent des BIP betragen, denn anders ist Substanzverzehr des staatlichen Vermögens nicht zu vermeiden. Und ganz zentral: Wir müssen staatliches Handeln deutlich effizienter gestalten. Eine Staatsquote von 40 Prozent muss dabei die Zielgröße sein.“

Bildquelle : Alstom

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