VDMA: Russland viertgrößter Absatzmarkt für deutsche Maschinenbauer – Fünf Jahre VDMA in Moskau

05.06.2013 | id:1672800

„Wir freuen uns sehr, dass wir unsere Position als wichtigster Maschinenlieferant der russischen Industrie trotz schwieriger globaler Rahmenbedingungen seit vielen Jahren halten können. Fast ein Viertel der russischen Maschinenimporte kommt aus Deutschland", erklärte VDMA-Präsident Dr. Thomas Lindner anlässlich der VDMA-Pressekonferenz in Moskau. Der VDMA feiert in diesem Jahr den fünften Geburtstag des Moskauer Büros und hat zum ersten offiziellen Mitgliedertreffen eingeladen.

Schwerpunktthemen des Mitgliedertreffens sind Markterschließung, Vertrieb und Service in Russland. Als Ehrengast begrüßte VDMA-Präsident Lindner den Stellvertretenden Minister für ökonomische Entwicklung der Russischen Föderation, Oleg Savelyev. „Wir möchten hiermit die engen deutsch-russischen Beziehungen im Maschinenbau noch stärker festigen und erweitern", betonte Lindner.

Russland wichtigster Absatzmarkt in Osteuropa

„Russland ist für unsere Industrie nicht nur der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt in Osteuropa, sondern inzwischen sogar der viertwichtigste Exportmarkt weltweit" (nach China, den USA und Frankreich), berichtete der VDMA-Präsident. Noch im Jahr 2003 lieferten die deutschen Maschinenhersteller für umgerechnet rund 80 Milliarden Rubel (2,3 Milliarden Euro) Maschinen und Anlagen nach Russland. Im Boomjahr 2012 waren es bereits 330 Milliarden Rubel (8,1 Milliarden Euro). Damit ist ein weiterer Höchststand erreicht. In 20 von insgesamt 33 ausgewiesenen Fachzweigen ist Deutschland wichtigster ausländischer Lieferant Russlands. Darunter befinden sich so bedeutende Bereiche wie Verfahrenstechnische Maschinen und Apparate, Fördertechnik, Landtechnik, Nahrungsmittelmaschinen- und Verpackungsmaschinen, Werkzeugmaschinen und Pumpen.

Maschinenbauer wollen Engagement in Russland ausbauen

Parallel zum Ausbau der Handelsbeziehungen hat der deutsche Maschinen- und Anlagenbau in den letzten Jahren auch sein Engagement vor Ort ausgebaut. Mehr als 150 VDMA-Mitglieder sind bereits mit Niederlassungen in Moskau, aber auch in den unterschiedlichen Regionen Russlands, vertreten. „Das ist eine gute Basis, weitere Schritte müssen aber folgen", betonte Lindner. „Denn trotz eines beachtlichen Engagements vor Ort wird der russische Markt heute noch überwiegend aus Deutschland heraus bearbeitet. Vertrieb und Service werden von der Zentrale gesteuert. Mittelfristig sehen wir aber starke Tendenzen zur Verlagerung der Vertriebs- und Serviceverantwortung nach Russland." Dies zeigt eine aktuelle VDMA-Umfrage zu Russland, die anlässlich der Hannover Messe im April 2013 durchgeführt wurde. Eine Montage oder Produktion unterhalten bisher nur acht Prozent der an der Befragung beteiligten Unternehmen. Mit Blick auf das Jahr 2015 planen dagegen 19 Prozent den Aufbau einer Montage oder Produktion vor Ort. Das Engagement in Russland soll also mehr als verdoppelt werden. Getrieben wird dies unter anderem durch die aktuell sehr dynamische Entwicklung des russischen Pkw-Absatzmarktes und der sich in diesem Zusammenhang entwickelnden Automobil- und Automobilzulieferindustrie.

Verlässliche Rahmenbedingungen in Russland dringend nötig

Für den Aufbau der Produktion in Russland – so die VDMA Umfrage – sind drei Faktoren entscheidungsrelevant, bei denen es definitiv Handlungsbedarf gibt: Das sind die Verlässlichkeit der Rahmenbedingungen, die Qualität der Ausbildung des Personals und die Qualität der inländischen Zulieferungen. „Hinsichtlich der Verlässlichkeit der Rahmenbedingungen gibt es auf russischer Seite erheblichen Nachholbedarf. Da könnten wir seit langem sehr viel weiter sein", sagte der VDMA-Präsident.

Aber auch Maschinen- und Anlagenbauer, die den Aufbau einer Produktion in Russland planen, müssten ihre Hausaufgaben machen. Dabei gehe es um den notwendigen Qualifizierungsbedarf ihres Personals und den Aufbau von Zulieferstrukturen vor Ort. „Chancen, die wir gemeinsam mit den russischen Partnern in einer Win-Win-Situation nutzen könnten", betonte Lindner. Denn in Russland steht in den nächsten Jahren die Modernisierung der Industrie im Fokus; rund 1,4 Millionen Maschinen sind älter als zwanzig Jahre. „Ich wünsche dem russischen Maschinenbau und der russischen Industrie viel Erfolg bei ihren Modernisierungsbemühungen. Wir werden alles dafür tun, damit diese Bemühungen von Erfolg gekrönt sind, und setzen auf weiterhin intensive Kooperationen mit russischen Unternehmen", so der VDMA-Präsident.

Handelshemmnisse sollten abgebaut werden

Ein großer Schritt nach vorne war der Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation WTO im vergangenen Jahr. Die dadurch in Gang gesetzte Liberalisierung des Marktzugangs werde den Wettbewerbsdruck auf die russische Industrie erhöhen. Dies dürfe jedoch nicht dazu führen, dass neue Handelsschranken aufgebaut werden. Für den weiteren Ausbau der bilateralen Beziehungen sei vor allem ein Wirtschaftsumfeld hilfreich, in dem Handelshemmnisse abgebaut und technische Standards angeglichen werden. „Deshalb sehen wir mit Sorge, dass im Rahmen der technischen Harmonisierung in der eurasischen Zollunion die Rahmenbedingungen für ausländische Lieferanten verschlechtert werden. Auch der im Februar 2013 eingeführte Schutzzoll auf importierte Mähdrescher in Höhe von 27,5 Prozent sowie die drohende Recyclinggebühr für mobile Maschinen erschweren massiv die Handelsbeziehungen", betonte Lindner.

VDMA fordert Visafreiheit für russische Geschäftspartner

Aber auch auf deutscher Seite gebe es Verbesserungsbedarf: Trotz mehr als 20jährigem Bemühen vieler deutscher Wirtschaftsvertreter sei es nicht gelungen, eine Visafreiheit für russische Geschäftspartner zu erreichen. „Wir appellieren deshalb an die deutsche Politik, sich in Europa nachdrücklich für entsprechende Liberalisierungen einzusetzen", sagte der VDMA-Präsident.

Statement Dr. Ralph Wiechers in der VDMA TV-Webbox.

Bildquelle : VDMA

Ackermann, Ulrich
Ackermann, Ulrich
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