Deutsche Glasmaschinenhersteller erwarten Impulse aus Asien und den Golfstaaten

04.08.2016 | id:14495766

Die deutschen Hersteller von Glasmaschinen blicken optimistisch in die Zukunft. Die Weltmärkte zeigen sich weitgehend stabil. Impulse werden, wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau mitteilt, unter anderem aus Asien, den Golfstaaten und von der glasstec erwartet. Für das laufende Jahr rechnet die Branche mit einem Umsatz von etwa einer Milliarde Euro.

"Um weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben, müssen wir vor allem die Kosten im Griff behalten", sagt Dr. Bernd-Holger Zippe, Gesellschafter und Aufsichtsrat der ZIPPE Industrieanlagen GmbH. Die Lohnabschlüsse in der deutschen Glasmaschinenindustrie lägen über den Produktivitätssteigerungen. "Noch" ginge es der Branche gut. Würden die Löhne allerdings weiter so stark steigen wie bisher, könne es für so manch einen Hersteller "ein böses Erwachen geben".

Zippe ist Vorsitzender des Forums Glastechnik. In der Organisation, die zum Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) gehört, sind mehr als 90 Prozent der in Deutschland ansässigen Glasmaschinenhersteller zusammengeschlossen. Der Wettbewerb auf den Märkten habe sich, so Zippe, verschärft. Neue Anbieter sind hinzugekommen und durch Abwertungen bedingte Währungsvorteile erschweren das Geschäft zusätzlich. Trotz allem sei es den deutschen Herstellern gelungen, so Zippe, ihre führende Stellung auf den Weltmärkten erfolgreich zu verteidigen. Allerdings sei das kein "Selbstläufer". Die Branche blicke optimistisch in die Zukunft. Für das laufende Jahr wird mit einem Umsatz von etwa einer Milliarde Euro gerechnet.

Neuinvestitionen halten sich in engen Grenzen
Während sich die Nachfrage nach Neuinvestitionen immer noch in engen Grenzen hält, sieht Zippe einen zunehmenden Bedarf bei Ersatz- und Verbesserungsinvestitionen. Insgesamt gesehen sagt er, "ist der Markt relativ stabil". Von einem stärkeren Wachstum könne nicht gesprochen werden. Mehr Wettbewerb erwartet er zum Beispiel aus England. Durch eine Abwertung des Pfund würden die dortigen Hersteller ihre Produkte auf den Weltmärkten günstiger anbieten können. Und davon wären dann auch deutsche Unternehmen betroffen.

"Erfolgreich werden die Unternehmen sein, die innovativ sind", sagt der Stellvertreter von Zippe im VDMA Forum Glastechnik, Dr. Harald Jodeit, Geschäftsführer und Inhaber der JSJ Jodeit GmbH. . Ohne intensive Forschung und Entwicklung sei das aber nicht möglich. Das Bewusstsein für Produktqualität, Energieeffizienz und Flexibilität habe weltweit zugenommen. Der Zug gehe, vor allem auch in China, weg von der Massenproduktion hin zu Qualität. Dabei spielten eine möglichst hohe Ausbeute bei wenig Energieverbrauch und geringer Umweltbelastung eine immer größere Rolle.

Alles Bereiche in denen, so Jodeit, deutsche Unternehmen weltweit führend sind. Weitere Wachstumschancen sieht er in einer verstärkten technologischen Zusammenarbeit mit den Glasherstellern und damit den Kunden. In einigen Herstellerbetrieben gehe das technische Know-how "immer mehr verloren". Konzentriert werde sich häufig auf die wirtschaftliche Produktionsplanung und Optimierung. Was die Glasmaschinenhersteller deshalb bieten müssten, seien innovative, maßgeschneiderte komplette technische Lösungen und technologische Unterstützung in enger Zusammenarbeit mit den Glasproduzenten. "Für unsere Industrie", sagt Jodeit, "ist das eine Chance".

Eine zunehmende Nachfrage erwartet er wieder aus dem Iran, aber auch aus den Golfstaaten und dem Maghreb oder Ägypten. Dort habe man es des Öfteren mit wenig erfahrenen  oder branchenfremden potentiellen Abnehmern zu tun, die großes Interesse an gesamtheitlichen technischen Lösungen und Dienstleistungen, wie Training, technologische Unterstützung und Produktionsbegleitung haben.

Trend geht zu intelligenten Gläsern
Von der Leitmesse glasstec erwartet Jodeit auch eine rege Nachfrage nach innovativen Maschinen - und Anlagenkonzepten zur Herstellung von Spezialgläsern Glaskeramiken und Funktionsgläsern, zum Beispiel im Dünnglasbereich. Der Trend gehe hier zu "ganz speziellen, intelligenten Gläsern mit optimierten Eigenschaften". Entsprechendes Dünnglas, da ist Jodeit sich sicher, werde neben den bekannten Anwendungen in der Elektronikindustrie in vielen anderen Bereichen wie dem Automobilbau und Transportwesen allgemein sowie in der Architektur seinen Einzug halten. "Leichtverglasungen in Fahrzeugen und Leichtbauten mit Kuppeln aus dünnen bruchfesten Gläsern", sagt er, "sind keine Utopie."

 



Dr. Bernd-Holger Zippe: "Der Wettbewerb auf den Märkten hat sich verschärft."
Foto: ZIPPE Industrieanlagen GmbH

 



Dr. Harald Jodeit: "Leichtverglasungen in Fahrzeugen und Leichtbauten mit Kuppeln aus dünnen bruchfesten Gläsern sind keine Utopie."
Foto: JSJ Jodeit GmbH

Bildquelle : Schott AG

Feuerbach, Timo
Feuerbach, Timo
Datei-Anhänge:
Dr. Bernd-Holger Zippe.jpg Dr. Harald Jodeit.jpg

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