Konfliktmineralien: VDMA warnt vor Bürokratie durch die Hintertür

17.06.2016 | id:13864192

Für Maschinenbauer wird es wohl auch künftig keine verpflichtenden Herkunfsnachweise bei der Verwendung von Wolfram, Tantal, Zinn und Gold geben – wohl aber standardisierte Instrumente für eine freiwillige Dokumentation. Verpflichtend sollen die Angaben für Schmelzer und Importeure werden. Das sieht ein Kompromiss vor, den EU-Kommission, Parlament und Mitgliesstaaten am 16. Juni in Brüssel verkündet haben. Der VDMA hält es für die richtige Entscheidung, weiterverarbeitende Unternehmen wie Maschinenbauer von den Herkunfspflichten auszunehmen. Allerdings befürchtet der Verband, dass auch freiwillige Nachweise faktisch von den Unternehmen erbracht werden müssen und zu unnötiger Bürokratie führen.

„Die überzogene Forderung nach einer Auskunftspflicht für alle Betriebe ist mit dem aktuellen Kompromiss hoffentlich vom Tisch. Es macht Sinn, nur die Importeure und Schmelzer in die Pflicht zu nehmen und nicht die nachgelagerten Unternehmen, welche die Herkunft ihrer Rohstoffe gar nicht mehr nachvollziehen können“, sagt Holger Kunze, Leiter des VDMA European Office. „Weitere Maßnahmen hält der Maschinenbau für überflüssig, weil auch eine freiwillige Dokumentation bei weiterverarbeitenden Firmen am Ende zu unnötiger Bürokratie für den Mittelstand führen wird.“

Mit der Nachweispflicht für Wolfram, Tantal, Zinn und Gold will die EU den Handel mit so genannten Konfliktmineralien eindämmen. Vor allem in Krisengebieten des Kongo finanzieren sich militante Gruppen über den Verkauf von Rohstoffen. Nachweispflichten über die Herkunft der Mineralien haben bereits die USA im Rahmen des Dodd-Frank-Act eingeführt. In den vergangenen Monaten hatte es in Brüssel eine intensive Debatte gegeben, für welche Unternehmen eine Auskunftspflicht bestehen soll. Nach wie vor gibt es offene Fragen, etwa, für welche Herkunfsländer die Nachweise erbracht werden müssen und ab welcher Importmenge die Pflichten gelten. Eine abschließende Einigung über die Regulierung von Konfliktmineralien wird in der zweiten Jahreshälfte erwartet.

Kontakt: eike.radszuhn@vdma.org

Bildquelle : Fotolia | Lynn Bendickson

Radszuhn, Eike
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