Maschinenbauer erwarten weiter steigende Absätze in den USA

23.02.2016 | id:12203435

Angesichts einer Exportquote von rund 76 Prozent ist das Auslandsgeschäft für die deutschen Maschinenbauer von entscheidender Bedeutung. Im vergangenen Jahr haben die USA die Spitzenposition in der Exportrangliste des Maschinenbaus von China wieder zurückerobert. Während die Ausfuhren des Maschinenbaus nach China um 5,9 Prozent auf 16 Milliarden Euro zurückgingen, stieg der Export in die USA um 11,2 Prozent auf 16,8 Milliarden Euro an.
 
Im Jahr 2014 wurden Maschinen und Anlagen im Wert von 15,1 Milliarden Euro aus Deutschland in die Vereinigten Staaten exportiert. Auch für das laufende Jahr erwartet eine deutliche Mehrheit der in den USA tätigen deutschen Maschinenbauer laut einer neuen Umfrage ein Wachstum ihres Absatzes. Die Umfrage wird der VDMA Anfang April im Detail vorstellen.

Gemessen am Importvolumen sind die USA schon seit langem der größte Maschinenmarkt der Welt. Nur in den Jahren 2010 und 2011 importierte China mehr Maschinen und Anlagen. Im Jahr 2014 importierten die USA Maschinen und Anlagen im Wert von 119 Milliarden Euro – gut doppelt so viel wie Deutschland (Importe 2014: 59 Milliarden Euro).
Die Vereinigten Staaten importieren aus Deutschland ein breites Spektrum von Maschinen. Für 27 von 31 Fachzweigen des deutschen Maschinenbaus waren die USA 2014 einer der drei wichtigsten Märkte, für 8 davon sogar der wichtigste.

Im Gegenzug exportieren die USA im Jahr 2014 Maschinen und Anlagen im Wert von 105 Milliarden Euro. Im weltweiten Ranking der Maschinenbau-Exportländer nahmen die Vereinigten Staaten im Jahr 2014 damit den dritten Platz hinter Deutschland und China ein.

Direktinvestitionen im Maschinenbau

  • Für Deutschland sind die USA der wichtigste Auslandsstandort. 23,3 Prozent (6,8 Milliarden Euro1) der deutschen Direktinvestitionsbestände im ausländischen Maschinenbau befanden sich 2013 in den USA.
  • Umgekehrt sind die USA für den Maschinenbau in Deutschland einer der wichtigsten ausländischen Investoren. 11 Prozent (1,8 Milliarden Euro1) der ausländischen Direktinvestitionsbestände im deutschen Maschinenbau stammten 2013 aus den USA. Nur aus den Holding-Standorten Luxemburg, Schweiz und Niederlande wurden höhere Investitionen verbucht.
  • Deutschland ist (knapp hinter Japan) der zweitwichtigste Investor in den amerikanischen Maschinenbau. 16 Prozent (14,5 Milliarden Dollar2) der ausländischen Direktinvestitionsbestände im amerikanischen Maschinenbau stammten 2014 aus Deutschland.
  • Für die USA ist Deutschland der wichtigste Standort für Investitionen im ausländischen Maschinenbau. 13 Prozent (6,8 Milliarden Dollar2) der US-Direktinvestitionsbestände im ausländischen Maschinenbau befanden sich 2014 in Deutschland.
  • Unter den Top-50 der deutschen Firmen in den USA ist der Maschinenbau prominent vertreten. Laut Ranking der Deutsch-Amerikanischen Handelskammern schafften es 10 deutsche Maschinenbauer im Jahr 2014 unter die Top-50 und belegten Plätze zwischen 7 und 50.


Wirtschaftsstruktur USA 
 

  • Der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes am Bruttoinlandsprodukt ist in den USA (wie auch in anderen Industrieländern) zurückgegangen. Derzeit scheint er zu stagnieren. In 2014 betrug der Anteil am BIP 12,1 Prozent. In Deutschland lag er bei 22,6 Prozent – der Spitzenwert innerhalb der G-7-Ländergruppe. Im Jahr 1970 lag dieser Anteil in den Vereinigten Staaten noch bei 22,7 Prozent, in Deutschland waren es 34,1 Prozent.
  • Die Zahl der Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe ist in den USA seit 2010 wieder angestiegen. Sie liegt aber mit rund 12,3 Millionen Menschen (Stand: Dezember 2015) noch um rund 1,4 Millionen Menschen unter dem Vorkrisenniveau (Dezember 2007).
  • Innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes ist die Chemiebranche der größte Wirtschaftszweig, mit einem Anteil in 2014 von 17,2 Prozent. Der Anteil ist seit 1997 deutlich gestiegen. Der Anteil des Maschinenbaus betrug 7,2 Prozent. Er wies im Laufe der Jahre keine großen Veränderungen auf.
  • Innerhalb des Maschinenbaus waren in 2014 die stärksten Bereiche die Landtechnik, Ventile und Armaturen sowie Kälte- und lufttechnische Erzeugnisse, gefolgt von Baumaschinen und Bergbaumaschinen.
  • Die Hochburgen des amerikanischen Maschinenbaus liegen im Süden mit Texas (10,4 Prozent  Anteil am US-Maschinenbau), im Westen mit Kalifornien (6,5 Prozent) sowie im östlichen Norden mit einem Cluster von wichtigen Maschinenbau-Produzenten: Illinois (7,4 Prozent), Michigan (6,5 Prozent), Ohio (6,1 Prozent), Wisconsin (5,7 Prozent) und Iowa (5,0 Prozent).
  • Dieses spiegelt sich auch in den Standorten  der Niederlassungen der deutschen Maschinenbauer. Diese konzentrieren sich in der Region Midwest in den Bundesstaaten Michigan, Illinois, Ohio und Wisconsin sowie in der Region South im Cluster North Carolina, South Carolina und Georgia und in Texas.


Die Frage der Reindustrialisierung

Seit geraumer Zeit wird immer wieder von einer „Reindustrialisierung“ der USA berichtet. Versteht man darunter einen wieder steigenden Anteil des Verarbeitenden Gewerbes an der Gesamtwirtschaft, so ist diese „Reindustrialisierung“ anhand der Daten bislang jedoch nicht zu erkennen. Der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes am Bruttoinlandsprodukt von 12,1 Prozent liegt nur leicht über dem Tiefstand von 2009 (12,0 Prozent). Auch der Anteil des Maschinenbaus am Bruttoinlandsprodukt ist während der Krise zurückgegangen, hat sich im Anschluss erholt und lag 2014 mit knapp 0,9 Prozent wieder in etwa auf dem Niveau von 2005.

Dennoch kann in den Vereinigten Staaten durchaus von einem attraktiven Investitionsumfeld für die Industrie gesprochen werden. So sind die Energiepreise gesunken, die Arbeitskosten sind vergleichsweise niedrig und das Wirtschaftswachstum gilt als relativ robust. Eine rein quantitative Anteilsbetrachtung des Verarbeitenden Gewerbes erlaubt auch kein qualitatives Urteil darüber, inwiefern die amerikanische Industrie den Modernitätsgrad ihrer Maschinen und Anlagen erhöht hat.

Generell sind die Aussichten auf steigende Investition im industriellen Sektor in den USA nicht schlecht. Eine anziehende private Konsumnachfrage und ein in vielen Bereichen drängender Modernisierungsbedarf des industriellen Anlagenbestandes lassen auf eine Erholung hoffen. Marktexperten gehen davon aus, dass die US-Industriekonjunktur in 2016 langsam wieder in Schwung kommt.

Die Rolle der USA für den europäischen Maschinenbau

Auch für den europäischen Maschinenbau spielt der amerikanische Markt eine enorm wichtige Rolle. Im Jahr 2014 wurden im Bereich  Maschinenbauerzeugnisse gut 13 Prozent der EU-Exporte in die USA (Warenwert: 40,9 Milliarden Euro) geliefert. Knapp 10 Prozent der EU-Importe aus den USA waren Maschinen und Anlagen (Warenwert 16,5 Milliarden Euro, 2014).

Die Bedeutung des Freihandelsabkommens TTIP

Das Freihandelsabkommen TTIP soll insbesondere dem europäischen Mittelstand zugutekommen. Mit einer durchschnittlichen Unternehmensgröße von rund 180 Beschäftigten repräsentiert der Maschinenbau in Deutschland wie kaum ein anderer Industriezweig den Mittelstand. Der Abbau technischer Handelsbarrieren steht für die Maschinenbauer im Vordergrund. Unterschiedliche technische Regelwerke auf beiden Seiten des Atlantiks erschweren den Marktzugang insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen. Sie sehen sich mit teuren Mehrkosten konfrontiert, um ihre Produkte an die US-Anforderungen anzupassen oder können nicht exportieren, da die Kosten für Zertifizierungen vor Ort zu hoch sind. Diese Zusatzkosten  liegen laut einer VDMA-Umfrage zwischen 5 und 18 Prozent. TTIP soll auch die regulatorische Zusammenarbeit auf beiden Seiten des Atlantiks verstärken. Deswegen ist ein eigenes Maschinenbaukapitel in TTIP für die Maschinenbauindustrie von enorm wichtiger Bedeutung. 

Auch das Thema Zollabbau ist für die Industrie wichtig. Denn selbst die existierenden niedrigen Zölle zwischen den USA und der EU bewirken allein im Maschinenbau noch immer Belastungen von mehreren hundert Millionen Euro. Daher fordert der VDMA den Abbau aller Zölle für Maschinenbauprodukte.


 
 

Bildquelle : Siemens

Paul, Holger
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